Looss alles eraus II

Rappen und Tanzen gegen den Seelenschmerz

Für etwa 20 Jungen und Mädchen zwischen 12 und 18 Jahren, die in der Jugendpsychiatrie auf dem Kirchberg und in der Tagesklinik in Esch/Alzette betreut werden, wurde ein ganz besonderes Programm entwickelt. In mehreren Workshops lernen sie, sich durch  Tanzen und Rappen frei auszudrücken und ihrer Seele Luft zu machen.

„Ich bin ganz Rap – ich bin ganz Tanz“ - die Entscheidung ist schnell getroffen, und der Wechsel von einer Disziplin zur anderen jederzeit möglich. Sylvia Camarda, Tänzerin und Choreographin, nimmt sich der jungen Tänzer an. Im Vordergrund steht keinesfalls klassischer Tanz sondern ganz cooler Street-Dance. Da muss man die Kinder nicht lange motivieren, cool sein wollen sie alle. „Am wichtigsten ist es, Vertrauen zu seinem  eigenen Körper aufzubauen,“ so Sylvia Camarda. „Man muss nämlich kein Profi sein um coole Sachen machen zu können. Jeder kann Spaß mit seinem Körper haben, egal wie der Körper aussieht.“

Einige wollen direkt loslegen und einen Kopf-Spinn aufs Parkett bringen, aber so einfach wie es aussieht, ist das nicht.  Die erste Lektion lautet daher: Respektiert Euren Körper, ihr habt nur diesen Einen. Erst wenn man sich gut aufgewärmt hat, kann man verrückte Sachen machen! Und los geht’s: erst der Back-Spinn – hier sind die Beine der Fallschirm - und dann ein Handstand an der Wand. Gar nicht so einfach, Arme und Beine zu koordinieren und die Stabilität zu behalten. Am Ende der Stunde kann sich jeder den Partner mühelos über den Rücken legen – nicht nur eine Frage der Technik sondern auch des Vertrauens. „Bei den Kindern wächst erkennbar das Selbstvertrauen,“ so Sylvia. „Sie gehen aus sich heraus und trauen sich, an ihre Grenzen zu gehen – speziell für diese Kinder ein ganz großer Schritt nach vorne.

‘Lo rappen ech – well Musik as meng Therapie’

David Galassi, Musiker und Rapper aus Leidenschaft, zieht sich mit seinen jungen Nachwuchsrappern in einen Probenraum zurück. Der erste Schritt ist der Schwierigste: die passenden Zeilen aufs Papier bringen. In einem Brainstorming muss erst einmal das Thema gefunden werden. Was bedrückt mich, wer oder was nervt, was soll in der Welt verbessert werden… „Die Ideen und Themen müssen von den Kindern selbst kommen,“ so David Galassi. „Ich kann dann Hilfestellung bei der Ausformulierung geben.“ Im Hintergrund laufen synthetische Beats… und nach und nach fließen die Texte aufs Blatt. Sehr konzentriert und teilweise in Gedanken weit entfernt schreiben die Kinder auf, was ihnen auf der Seele brennt. „Das erste Jahr auf dem Lycée, und das Leben fängt an zu stinken / die falschen Kollegen und Zigaretten und trinken/kein Bock mehr, Kacke zu bauen/man kann sich  ändern – ich bin das beste Beispiel“ – mit ein bisschen Feilen an den Reimen und dem passenden Beat ein klasse Rap. Ganz unbewusst kommen so die Probleme und Nöte auf den Tisch. „Jeder erzählt seine Geschichte und sein Leben, und keiner muss sich dafür schämen,“ so David Galassi. „Die Musik ist ein Ventil. Besonders auf Rap sprechen sie sehr gut an. Die Kinder sind sehr offen und lassen alles raus, ganz anders als in einem normalen Gespräch.“

Am 20. April 2018 stehen die jungen Tänzer und Rapper dann gemeinsam in der Rockhal auf der Bühne – für alle ein unvergessliches Erlebnis.

Mit groβzügiger Unterstützung der Société Générale Bank & Trust

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